Der Zufall wollte, dass die Florentinische Tattoo Convention ihr zehnjähriges Bestehen feiert, wenn ich gerade mal in der Stadt bin. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und streifte am Samstag durch die Messehallen in der Fortezza da Basso.

Nicht nur konnte man hier circa 150 Tätowiererinnen und Tätowierern bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen oder sich einfach selbst bearbeiten lassen. Natürlich gab es auch Bücher-, Klamotten- und Schmuckstände, eine Ausstellungsfläche, Workshops und zwei Bühnen auf denen verschiedenen Performance-Künstler und Musiker auftraten. Ich hatte das Glück einem Vortrag des Kulturanthropologen Lars Krutak lauschen zu dürfen, der darin einen kurzen Einblick in seine neuesten Forschungen zur Geschichte und Praxis des Tätowierens gab. In seinem frisch erschienen Buch „Ancient Ink“ kann man seine Erkenntnisse nachlesen. Traditionelle Tätowiertechniken aus verschiedenen Erdteilen wurden in einer extra Abteilung der Messe praktiziert. Stellenweise bekam man hier auch noch den Eindruck des Tätowierens als rituelle Praxis, wie etwa bei Ajarn Rung von Thai Sacred Tattoos, die ich bei einem – sehr laienhaft ausgedrückt – Pre-Tattoo-Ritual beobachten konnte.

Prima fand ich auch die Ausstellungsfläche, auf der Gemälde Skulpturen und Mixed-Media-Objekte einiger Künstler ausgestellt wurden. Einer von ihnen mit dem Namen „Blue 2530“ war mir schon aus den Straßen und Gassen von Florenz recht bekannt, in denen er zum Beispiel abtauchende Da Vincis plakatiert.

Natürlich auch für das leibliche Wohl gesorgt – typisch italienisch mit Café-Bar und Ristorante. Sehr schade fand ich dabei die Tatsache, dass an dem Wochenende Unmengen von Plastikgeschirr verbraucht worden sein müssen, denn bis auf die sogenannten „Dolce“ (Croissants und so) bekam man nichts ohne...

Nun aber möchte ich Sie, liebe Leserinnen und Leser nicht weiter fackeln lassen und darf im Folgenden meine Favoriten der Convention präsentieren:

Scibatattoo – sehr feine Ornamentik, die dennoch sehr stark wirkt.

Fema – Elegant Ink haben ihren Stützpunkt in Monserato – Traditionell angehaucht Tattoos mit originellen Motiven. Tatsächlich wirken sie auch ziemlich elegant :-)

Stilistisch irgendwo zwischen Comic und Graffiti: Same 84

Manulitera Tattoo aus Mailand – Tattoos im traditionell japanischen Stil, deren Motive aber wiederum ganz eigen gemischt sind

Agnieszka Kulisnka aus Krakau macht wunderschöne ornamentale Tattoos.

Matteo Cascettis Stil lässt mich an Märchen und Picasso denken - oder was meinen Sie?

In der Abteilung “ohne Maschine” mochte ich den Stand von Kai Uwe Faust am liebsten, der aus Deutschland stammt aber seit einiger Zeit im schönen Kopenhagen lebt und arbeitet.

La Malafede aus Contegliano mischt zeichnerische Linien mit flächiger ausgeführten Teilen. Einzigartig eigenwillig.

Richard Blackstar arbeitet ebenfalls eher auf der abstrakten Seite. Zum Glück hat er auch Plakate verkauft, denn seine Kunst wirkt nicht nur am Körper, sondern auch an der Wand.

Namiko kommt aus Italien, lebt und arbeitet aber in Hongkong und hat einen ganz eigenen zeichnerischen Stil, der mir so gut gefallen hat, dass ich mich gern unter ihre Nadel begeben habe.

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