Letzte Woche Freitag hat im Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt die Ausstellung „Picknick-Zeit“ eröffnet, die interessant für jeden sein dürfte, der sich für Alltagskultur in Geschichte und Gegenwart interessiert. Im MAK wird damit nicht nur die Vorfreude auf die warmen Tage befeuert, die ja ideal sind zum draußen speisen und „abhängen“, sondern man fragt nach den Quintessenzen: Warum picknicken wir? Wie picknicken wir? Was gehört zu einem Picknick? Die Ausstellung beleuchtet das Thema in verschiedenen (nicht nur europäischen) Ländern und beim Durchlaufen stellt sich heraus, dass die Picknick-Gepflogenheiten, aber natürlich auch die Gestaltung der Gegenstände und Verhaltensweisen darum herum international verschieden sind. Da gibt es die Briten, bei denen das Picknick ein wichtiger Punkt der nationalen Identität ist, was sich nicht nur in den opulenten Picknick-Körben der Firma Fortnum&Mason wiederspiegelt. In Afganistan zieht man sich – in Friedenszeiten – zum Picknicken mit der Wasserpfeife im Gepäck an kühle Wasserstellen zurück. Und die detailverliebte Kunstfertigkeit der Japaner macht sowohl vor dem Äußeren als auch dem Inneren ihrer Bento-Boxen nicht halt. Das Speisen im Freien ist, so lernen wir im Museum für angewandte Kunst, etwas das wir gern auch zum Ritual machen. Mit ihm unterstreichen wir die Besonderheit eines Tages oder Ortes, wie etwa am Dia de los Muertos in Mexiko, wo man den Friedhof picknickend belebt. Außerdem muss Picknick nicht nur Freizeitspaß bedeuten, sondern kann auch Teil politischer Aktion werden. Sie werden in den Ausstellungsräumen nicht nur Picknick-Körbe und Camping-Geschirr zu sehen bekommen. Filme, Bilder und Literatur aus verschiedenen Epochen machen die Ausstellung zu einem abwechslungsreichen Rundgang durch die Kulturen und Zeiten, dessen Details für die, die alles nochmal genau nachlesen wollen in einem dicken Katalog ausführlich beschrieben wird. Es zeigt sich dabei, dass beim Picknick neben der Nahrungsaufnahme, drei wichtige Punkte überall gleich zu sein scheinen: Es geht um frische Luft, Geselligkeit und darum, sich Zeit zunehmen – positiver Nebeneffekt: es ist unabhängig vom Umfang des Geldbeutels.

Inspiriert von der Ausstellung habe ich einige Bilder auf Pinterest zusammengestellt und meine Bücher und Zeitschriften aus den 50er Jahren konsultiert. In den 50s war die Fahrt ins Grüne mit Picknick am Wochenende wohl noch genau so beliebt wie in der Vorkriegszeit und danach. Außerdem gab es neue praktische Ausstattung für den Camping-Urlaub, Plastikgeschirr, tragbare Radios und Plattenspieler. Immer mehr Menschen konnten mal eben mit dem eigenen Auto losfahren und mit günstigen Kameras wie dieser hier konnte jeder den geselligen Moment festhalten. In den besagten Büchern wird auch das Speisen im Freien ganz klar als Aufgabe der Hausfrau formuliert und die meisten Beiträge beziehen sich auf Camping-Urlaube, in denen frau eine längere Zeit ohne ihre „zeitgemäße Küche“ auskommen muss. Im Einmal Eins des Guten Tons lesen wir hierzu: „Die moderne Camping-Bewegung machte sich vom Auto bis zum regendichten, komfortablen Zelt und dem einen häuslichen Herd fast ersetzenden Campingkocher alle Errungenschaften der Technik zunutze.“ Außerdem werden die Leser ermahnt „den Zeltplatz peinlich sauber“ zu halten und „dass auch das leisest eingestellte Koffergrammophon oder Kofferradio seine Schallwellen aussendet“ – und dies vielleicht nicht undbedingt zur Freude anderer.

„Am Rastplatz können besonders die Frauen ihre Talente zeigen, wie man z.B. auch Rucksackproviant appetitlich und nett anrichtet und wie man vor allem einen Rastplatz hausfraulich ordentlich aufräumt und ihn nicht als bunten Teppich aus Eierschalen, Knüllpapier, Konservendosen, leeren Zigarettenpackungen und Limonadenflaschen hinterläßt, wie man es leider oft sieht.“

Heute dürfen sich bitteschön auch die Herren der Schöpfung am Zubereiten der Speisen und Aufräumen des Picknickplatzes beteiligen – ob man seinen Müll mit nimmt ist schließlich keine Frage des Geschlechts, sondern des Anstands und des Umweltbewusstseins. Auch dazu hält übrigens die Ausstellung im MAK einige bezeichnende Bilder bereit... Der Müll der immer wieder achtlos zurückgelassen wird ist leider die Schattenseite, einer sonst so schönen Praxis. Nicht nur Verpackung von Speisen gehört dazu, sondern auch Einweg-Geschirr oder Einmal-Grills - man hält sich also nicht nur aus Gründen der Eleganz besser an den guten alten Picknickkorb mit Thermosflasche.

Dennoch habe ich Ihnen hoffentlich Lust auf die Ausstellung und das Picknicken gemacht. Ich persönlich freue mich schon auf ein Picknick am Rhein mit Freunden, Käsespießen, Baguette und einer Flasche Weißwein. Was sind für sie die wichtigsten Zutaten zu einem gelungenen Picknick? Ich bin gespannt auf ihre Antworten!

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Kommentare

Ein schönes Thema für eine Ausstellung. :-) Zu einem Picknick gehört für mich vor allem die richtige Gesellschaft. Mit ein paar Freunden lecker zu essen und im Freien Spaß zu haben, ist doch immer wieder schön. Ich freue mich schon auf die kommende Saison. Mit herzlichen Grüßen, Alice
geschrieben am Thu, 11 May 2017 17:59:13 von Alice

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