In dieser Woche konsultieren wir, wie versprochen, Rategeberliteratur der 50er Jahre, um zu sehen, was die AutorInnen damals für notwendig hielten.

„Was hat sich da im Laufe der Jahre alles angesammelt, füllt den Schrank aus und irritiert Sie und Ihre Umgebung, wenn der Stoßseufzer „Ich habe nichts anzuziehen!“ von Ihren Lippen kommt. Oft hat ein Teil dieser Kleider Museumswert, seine Daseinsberechtigung verloren oder bedarf einer grundlegenden Änderung.“

Dieses Zitat aus dem „ABC der Kosmetik“ von Franz Guske, erschienen 1958, lehrt uns, dass Ausmisten schon auch schon kein beliebter Sport war, bevor Fast Fashion ständig neue Teile von minderer Qualität in die Kleiderschränke spülte. Man trug Kleidung deutlich länger und änderte sie gegebenenfalls bevor man sie aussortierte. – Wenn das mal keine Inspiration ist.

Wir lesen weiter: „Bei richtiger Auswahl und farblicher Zusammenstellung haben Sie die verschiedensten Kombinationsmöglichkeiten. Selbstverständlich müssen Sie bei der Festlegung Ihres Garderobenbestandes darauf achten, daß Sie für alle Gelegenheiten gerüstet sind.“

Was also braucht Frau in der Garderobe?

1. Einen Morgenrock „Sie sind für die ersten Verrichtungen nett angezogen und brauchen nicht eine Stunde oder länger im Unterrock herumlaufen.“ 2. Zwei Röcke „...ein sportlicher und ein schwingender Rock“ 3. Eine Hose 4. Hemdbluse 5. Pulli

6. Ein Kostüm mit zwei Röcken „einem engen und einem weiten Faltenrock“ 7. Ein einfaches Tageskleid „…sind Dinge, die in keinem Schrank fehlen dürfen.“ 8. Ein Nachmittagskleid „Falls Sie sich [..] nicht im Klaren sind, ob enger oder weiter Rock, so lassen Sie sich ein kombiniertes Nachmittagskleid anfertigen, d.h. enger Rock und einen gesonderten Überrock dazu.“ 9. Eine gerade, karierte Jacke „Wenn Sie die sportliche Note in den Vordergrund stellen wollen…“

10. Ein loser Mantel „für alle Gelegenheiten“ 11. Ein „fescher, wasserabstoßender Wettermantel“

12. Ein Abendkleid „Bei kleineren Festlichkeiten wird vielfach das dreiviertellange Kleid bevorzugt, während bei großen Feierlichkeiten und Empfängen das lange Abendkleid auch heute noch dominiert.“ 13. „Modische Ergänzungen“ Ein Paar Handschuhe, ein Hut, ein Schirm, eine Handtasche

Natürlich fehlen in unserer Liste noch (manche/r möchte sagen das Wichtigste): die Schuhe! Über deren Anzahl findet man im ABC der Kosmetik nichts, dafür aber Hinweise zum Kauf der „richtigen“ Schuhe, wie diesen:

„..auf Grund der falschen Belastung und Verkleinerung der Auftrittsfläche kann z.B. bei Schuhen mit zu hohen Absätzen schnell der Spreizfuß entstehen. Sie trippeln und verlernen das ästhetische, schwingende Schreiten. Schon aus diesen Gründen sollten Sie am Tage Schuhen mit flachem Absatze (bis ca. 40 mm) den Vorzug geben. Wollen sie zu einer Festlichkeit durchaus den Pfennigabsatz tragen, dann prüfen Sie vorher sorgfältig, ob der Fuß die Belastung eines Tanzabends aushält.“

Können Sie sich vorstellen mit einer solchen Garderobe auszukommen? Was würde Ihnen fehlen?

Ich will es versuchen und aus meinem „Fundus“ eine Garderobe für den Herbst der Liste entsprechend zusammenstellen! In der nächsten Woche zeige ich Ihnen, wie das aussieht.

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